22.07.2019 | Wissenstransfer | Institut für Gartenbau

Beerenobst und Gemüsebeeren - Weihenstephaner Tag für den Freizeitgartenbau

Katrin Kell und Franziska Kohlrausch
Die Referenten des Tages (von links): Prof. Dr. Volker Henning, Katrin Kell, Elke Weinmann und Prof. Dr. Dominikus Kittemann
starker Andrang in der Kaffeepause
Genetzte Melonen
Starke Regenschauer konnten den Wissensdurst bei den Führungen nicht beeinträchtigen
Fallen zum Monitoring von Schädlingen
Erklärungen zur Blütenbotanik von Prof. Dr. Henning

Weihenstephan - 20jähriges Jubiläum konnte der Informationstag für die Freizeitgärtner (ehemals Hobbygemüsebautag) an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) dieses Jahr feiern. Nach wie vor ist die Resonanz ungebrochen hoch, so dass auch dieses Jahr die Tagung mit 180 Teilnehmenden, bestehend aus ambitionierten Hobbygärtnern und Multiplikatoren aus Gartenbauvereinen, schnell ausgebucht war. Die Themen "Beerenobst und Gemüsebeeren" streiften das Gebiet des Obst- und Gemüsebaus.

Geballtes Wissen zu der Thematik "Beeren"

Prof. Dr. Volker Henning, HSWT, nahm die Anwesenden auf einen Exkurs in die Botanik mit, um aufzuklären, warum nicht jede Beere - im Sinne des Sprachgebrauchs - eine Beere - im botanischen Sinn ist. Beginnend mit dem Aufbau der Blüte bis hin zu der Entwicklung der Frucht klärte Henning über die botanischen Grundlagen auf. Wer hätte gedacht, dass Bananen, Paprika und Zucchini Beeren sind, während Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren nicht dazu gehören.

Mit seinem Vortrag "Tipps und Tricks zu Beeren im Garten" vermittelte Prof. Dr. Dominikus Kittemann, HSWT, den Teilnehmenden einen guten Einstieg, um das "Beerenwunder" im eigenen Garten erleben zu können. Beeren sind nicht nur wohlschmeckend, sie enthalten auch wertvolle Inhaltsstoffe wie z.B. Anthocyane, Catechine oder Flavonoide. Frische, leichte, humusreiche Böden ohne Staunässe sind optimal für ihren Anbau. Für einen sachgerechten Schnitt und guten Ertrag sollte man wissen, an welchem Holz (einjährig, zweijährig oder dreijährig) die Sträucher Beeren tragen. Egal für welche Erziehungsform (z.B. Strauch, Spindel oder Spalier) sich der Hobbygärtner entscheidet, ist durch jährliche Schnittmaßnahmen auf einen luftigen, lockeren Aufbau und eine Fruchtholzerneuerung zu achten.

Voraussetzungen für einen gesunden Beerengarten sind ein nährstoffreicher, mittelschwerer Boden mit guter Wasserführung. Die Einarbeitung organischer Substanz z.B. in Form von Kompost wirkt sich positiv aus. Ein sonniger Standort und ein gut belüfteter Bestand durch Schnittmaßnahmen helfen, Krankheiten zu vermeiden. Elke Weinmann, HSWT, bearbeitete das Thema "Gesundes Beerenobst". Ganz vermeiden lassen sich Krankheiten nicht, deswegen stellte die Referentin ein paar ausgewählte Krankheiten von der Wurzel bis hin zu den Fruchtkrankheiten vor. Aus phytosanitären Gründen ist es empfehlenswert, befallene Früchte aus dem Bestand zu entfernen. "Über den Zaun zum Nachbarn werfen, hilft allerdings nichts", so Elke Weinmann, da die Pilzsporen eine große Reichweite haben und zum Teil auch sehr lange überdauern können.

Dem Anbau von Melonen als Vertreter einer Gemüsebeere widmete sich Katrin Kell, HSWT. Die großen saftreichen schmackhaften Früchte sind verwandt mit den Kürbissen. Egal ob Zucker- oder Wassermelonen ein Anbau dieser Kultur ist nur in sehr warmen Lagen oder geschützt unter Glas sinnvoll. Melonen brauchen Platz, haben einen hohen Wasser- und Nährstoffbedarf. Interessant waren die Hinweise über den richtigen Erntezeitpunkt. Dabei hilft der "Klopftest" oder die Nase. Reife Wassermelonen klingen hohl, Zuckermelonen eher dumpf. Cantaloupe-Melonen, ein Vertreter der Zuckermelonen, verströmen einen ausgeprägt süßlichen Geruch, wenn sie reif sind. Außerdem nehmen sie zunehmend gelbliche Farbe an.

Geführte Rundgänge zur Vertiefung der Theorie

Die geführten Rundgänge am Nachmittag dienten dazu, das am Morgen theoretisch Erlernte praktisch zu vertiefen. Fünf Gruppen durchliefen nacheinander fünf Stationen im Gewächshaus, der Kleingartenanlage und dem Lehrgarten Obst. Ergänzend waren Aussteller vor Ort, die ebenfalls wertvolles Infomaterial vorhielten.

Erziehungsformen bei Beerenobst - Prof. Dr. Dominikus Kittemann
Der Lehrgarten Obst dient dazu, Studierenden quer über das ganzjährige Obstsortiment verschiedene Erziehungsformen, Obstarten und Sorten zu zeigen. Beerenobst in Spalier- oder Strauchform sind  aufgepflanzt. An den Sträuchern zeigte Herr Kittemann unter anderem wie wichtig die Unterscheidung von diesjährigen, einjährigen oder mehrjährigen Trieben für den richtigen Schnitt sind. Kleine Kostproben der Beeren waren erlaubt und wurden gerne wahrgenommen.


Melonenanbau im Gewächshaus und Freiland - Katrin Kell
Melonenfrüchte in bunten Netzen aufgehängt, damit sie nicht die an Schnüren aufgeleiteten Pflanzen herunterziehen und ein betörender Geruch reifer Früchte empfing die Teilnehmenden im Gewächshaus. Die Melonen unter Glas waren erntebereit. Im Freiland war bei den am Boden kriechenden Pflanzen zumindest schon ein guter Fruchtansatz zu beobachten. Vielleicht wird diese Kultur mit zunehmender Klimaerwärmung auch in unseren Breiten interessant.

Blütenbotanik in der Kleingartenanlage - Prof. Dr. Volker Henning
Wie ist eine Blüte aufgebaut? Was verbirgt sich hinter den Begriffen einhäusig, zweihäusig, Fremdbefruchter, Selbstbefruchter? Das waren nur einige Fachausdrücke, die Herr Henning an Beispielen in der Kleingartenanlage den Gästen erklärte und zeigte. Aber auch Maßnahmen, die Bestäuber mittels Nisthilfen und Blütenstreifen zu unterstützen, kamen zur Sprache.

Pflanzenkrankheiten an Obst - Elke Weinmann
Woran erkenne ich, welcher Schaderreger mein Obst beeinträchtigt. Erkrankte Pflanzenteile und Früchte, aber auch Monitoring-Fallen für z.B. Kirschessigfliege hatte Frau Weinmann als Anschauungsmaterial aufgebaut. Leider war den Teilnehmenden das eine oder andere Schadbild vom eigenen Garten bekannt.

Auch die starken Regenschauer konnten die Laune und den Wissensdurst bei den Führungen nicht beeinträchtigen. "Wir sind doch Gärtner, uns macht das nicht aus" war der Kommentar eines Teilnehmers. So hielten alle Freizeitgärtner und Freizeitgärtnerinnen bis zum Ende der Veranstaltung durch, um das umfangreiche Informationsangebot auszuschöpfen.

Kontakt

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