Low Cost Renaturierung im Ehrenamt am Beispiel der Diemel

Trotz großer Anstrengungen und vieler kostenintensiver Maßnahmenumsetzungen scheint die Erreichung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie in weiter Ferne. In vielen Fällen ist dies vor allem auf hydromorphologische Defizite zurückzuführen, so auch an der Diemel, ein 110,5 Kilometer langes Nebengewässer der Weser in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Diese Studie soll aufzeigen, wie mit geringen finanziellen Mitteln und auf Initiative des bewirtschaftenden Vereins („low-budget/bottom-up“ Ansatz) eine naturnahe Gewässerentwicklung nach WRRL-Vorgaben zum Erfolg führen kann. Die Gesamtkosten von 120.000 € für 1,5 km Gewässerstrecke an der Diemel belegen, dass eine ökologische Aufwertung nicht an hohe Budgets gebunden sein muss. Getragen vom Wasserverband Diemel Marsberg (mit 80% Förderung durch die Bezirksregierung Arnsberg, NRW) und seit 2018 initiiert und organisiert durch planar e.V., sowie weiteren Partnern vor Ort, steht die Maßnahme für gelebte Bürgerbeteiligung. Weiterhin verbindet das Projekt praktischen Gewässerschutz mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Kooperation mit der Universität Kassel und schafft so eine mögliche Blaupause für vergleichbare Vorhaben.
Die Umsetzung der Renaturierung war gezielt auf die unmittelbare Behebung der Schlüsseldefizite ausgerichtet und konzentrierte sich auf die Umlenkung in neu profilierte Gerinne mit punktueller Verplombung des Altlaufs, wobei sämtliches Aushubmaterial vor Ort verblieb. Durch grobe Vorstrukturierung, Totholzeinbau und Anlage von Pool-Riffle-Sequenzen wurde die eigendynamische Entwicklung initiiert. Ein iterativer Prozess mit wiederholten, gezielten Kleinsteingriffen ermöglichte herausragende ökologische Verbesserungen bei sehr niedrigen Kosten. Die die Umsetzung erfolgte im Zeitraum von zwei Förderperioden mit vier konzentrierten Bauphasen mit einem Gesamtzeitaufwand von 4-5 Wochen - jeweils im Spätherbst bis Frühjahr der Jahre 2023/2024 und 2024/2025.
Die Wirkung der Renaturierung konnte bereits nach kurzer Zeit nachgewiesen werden. Ein Monitoring von insbesondere der Gewässerstruktur und der Fischfauna nach dem BACI-Design dokumentiert die positive Entwicklung. Die Ergebnisse zeigen eine mehr als verdoppelte Gewässeroberfläche mit neuer Strukturvielfalt und einer Verbesserung des Habitatindexes von „deutlich verändert“ auf „gering verändert“ bis „unverändert“. Weiterhin konnte eine schnelle Besiedlung durch Fisch-Leitarten mit Reproduktionsnachweis (u.a. Äsche und Elritze) bei gleichzeitig verbessertem Hochwasserrückhalt beobachtet werden. Die ökologische Entwicklung zeigt damit eine außergewöhnlich schnelle und positive Dynamik.
Eine Besonderheiten der Maßnahme ist, dass diese von engagierten Privatpersonen initiiert wurden und zeigt, wie zivilgesellschaftliches Engagement Renaturierungen erfolgreich kooperativ und kosteneffizient vorantreiben und umsetzen kann. Durch innovative Methoden wie der Wiederverwendung des Aushubs vor Ort und einen iterativen Prozess mit wiederholten, gezielten Kleinsteingriffen erreichten wir herausragende ökologische Verbesserungen zu außergewöhnlich niedrigen Kosten. Dafür wurde unser bereits durch die Deutschen Umwelthilfe prämiert. Es soll engagierten Bürgern und Gewässerentwicklungsplaner helfen ähnliche Projekt zu initiieren.

Publikationsart
Konferenzbeiträge
Titel
Low Cost Renaturierung im Ehrenamt am Beispiel der Diemel
Medien
Poster auf dem Tag der Hydrologie, März 2026
Autor:innen
Jens Eligehausen, René Sahm, Andreas Schwarzer
Veröffentlichungsdatum
04.03.2026