Basis Wissen Moore
Moore sind besondere terrestrische Ökosysteme, die durch einen dauerhaften Wasserüberschuss geprägt sind. Dieser Wasserüberschuss führt dazu, dass abgestorbene Pflanzenteile aufgrund von Sauerstoffmangel nur unvollständig zersetzt werden. Die organische Substanz sammelt sich über Jahrtausende an und bildet Torf, den charakteristischen Boden eines Moores.
Hoch- und Niedermoore
Grundsätzlich werden zwei Haupttypen von Mooren unterschieden: Niedermoore und Hochmoore. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Wasser- und Nährstoffversorgung.
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Niedermoore
Niedermoore entstehen in Senken, Flussauen, Quellbereichen oder an Seen, wo sie kontinuierlich durch Grundwasser oder oberflächlich zufließendes Wasser gespeist werden. Da dieses Wasser Mineralstoffe aus den umliegenden Böden mitführt, sind Niedermoore im Vergleich zu Hochmooren meist nährstoffreicher. Dadurch können sich artenreiche Pflanzengesellschaften entwickeln, beispielsweise Seggenriede, Röhrichte oder Feuchtwiesen.
Niedermoore stellen den häufigsten Moortyp Mitteleuropas dar. Sie bilden häufig die Ausgangsstufe der Moorentwicklung. Unter geeigneten Bedingungen kann sich auf einem Niedermoor im Laufe von Jahrtausenden ein Hochmoor entwickeln.
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Hochmoore
Hochmoore entstehen durch das kontinuierliche Wachstum torfbildender Pflanzen, insbesondere von Torfmoosen (Sphagnum-Arten). Mit zunehmender Torfmächtigkeit hebt sich die Mooroberfläche über den Einflussbereich des Grundwassers hinaus an. Das Moor wird schließlich ausschließlich durch Niederschläge mit Wasser versorgt. Man bezeichnet Hochmoore deshalb als ombrotrophe Moore (regenwassergespeiste Moore).
Da Regenwasser nur sehr wenige Nährstoffe enthält, sind Hochmoore ausgesprochen nährstoffarm und sauer. Unter diesen extremen Bedingungen können nur hoch spezialisierte Pflanzenarten überleben. Typische Vertreter sind Torfmoose, Wollgräser, Sonnentau oder Moosbeeren. Hochmoore weisen oft eine charakteristische kuppelförmige Oberfläche auf, die durch das jahrtausendelange Torfwachstum entsteht.
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Unterschiede zwischen Hoch- und Niedermooren
Der wesentliche Unterschied liegt in der Wasserversorgung. Niedermoore werden durch Grund- und Oberflächenwasser gespeist und sind daher vergleichsweise nährstoffreich. Hochmoore erhalten ihr Wasser ausschließlich aus Niederschlägen und sind deshalb besonders nährstoffarm. Beide Moortypen erfüllen jedoch wichtige ökologische Funktionen und tragen wesentlich zum Klima-, Wasser- und Artenschutz bei.
Entstehung der Moore
Die Entstehung von Mooren basiert auf einem dauerhaften Wasserüberschuss in der Landschaft, entweder durch Grundwasser, Oberflächenwasser oder Niederschläge. Unter diesen wassergesättigten Bedingungen wird der Sauerstoffgehalt des Bodens stark reduziert. Die moortypische Vegetation an der Oberfläche produziert mehr Biomasse, als im Boden durch Mikroorganismen abgebaut werden kann. Die abgestorbenen Pflanzenteile werden deshalb nur unvollständig zersetzt und lagern sich als Torf ab.
Dieser Prozess läuft in den gemäßigten und borealen Breiten seit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren ab. In naturnahem Zustand wachsen Moore kontinuierlich weiter und speichern dabei über lange Zeiträume Kohlenstoff und Wasser.
Moore werden im Folgenden entsprechend internationaler Definitionen der FAO und des IPCC als Gesamtheit organischer Böden verstanden und entsprechen damit den Grundlagen der internationalen Klimaberichterstattung im Rahmen der UNFCCC.
Funktionen der Moore
Moore gehören zu den wertvollsten Ökosystemen der Erde. Trotz ihres vergleichsweise geringen Flächenanteils erfüllen sie zahlreiche ökologische, klimatische und gesellschaftliche Funktionen.
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Lebensraumfunktion
Moore bieten Lebensräume für hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, die an die besonderen Bedingungen von Nässe, Nährstoffarmut und Sauerstoffmangel angepasst sind. Viele dieser Arten kommen ausschließlich oder überwiegend in Mooren vor und sind häufig selten oder bedroht. Dazu zählen beispielsweise Sonnentauarten, Wollgräser, Moorfrösche, Libellen oder verschiedene Vogelarten. Moore besitzen daher eine herausragende Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt.
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Archivfunktion
Die dauerhaft nassen und sauerstoffarmen Bedingungen führen dazu, dass organische Materialien über Jahrtausende konserviert werden. Insbesondere Pollen, Pflanzenreste und andere biologische Spuren bleiben erhalten und ermöglichen Rückschlüsse auf frühere Klimabedingungen, Vegetationsentwicklungen und menschliche Landnutzungen. Moore stellen somit einzigartige Archive der Natur- und Kulturgeschichte dar.
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Regelungsfunktion im Wasserhaushalt
Moore besitzen eine hohe Wasserspeicherfähigkeit. Intakte Moore können große Mengen Niederschlagswasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben. Dadurch tragen sie zur Dämpfung von Hochwasserspitzen bei und stabilisieren den Landschaftswasserhaushalt. Gleichzeitig fördern sie durch Verdunstung die regionale Kühlung und beeinflussen das lokale Mikroklima positiv.
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Regelungsfunktion im Stoffhaushalt und Klimaschutz
Eine der bedeutendsten Funktionen von Mooren ist ihre Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Während des Pflanzenwachstums wird Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen und langfristig im Torf gespeichert. Dadurch entstehen die größten Kohlenstoffspeicher der terrestrischen Biosphäre.
Weltweit speichern Moore schätzungsweise rund 550 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Obwohl sie lediglich etwa drei Prozent der globalen Landfläche bedecken, enthalten sie rund 30 Prozent des weltweit im Boden gespeicherten Kohlenstoffs. Intakte Moore wirken daher als wichtige Kohlenstoffsenken und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz.
Der Wasserstand regelt den Austausch klimarelevanter Spurengase. Bei naturnahem Wasserstand ist die Stoffbilanz positiv, es wird also mehr CO2 durch Photosynthese aufgenommen als durch Pflanzen- und Bodenatmung abgegeben. Bei Entwässerung dreht sich das Verhältnis um und die Moore werden in Abhängigkeit von den Nutzungen zu den größten CO2-Quellen. Je nach Zustand werden zudem CH4 und N2O emittiert.
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Produktionsfunktion und menschliche Nutzung
In Mitteleuropa zählen Moore zu den Landschaftselementen, die vergleichsweise spät intensiv genutzt wurden. Seit etwa dem 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Moorflächen entwässert, um sie für den Torfabbau sowie für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung verfügbar zu machen. Hierfür wurden Entwässerungsgräben und Drainagesysteme angelegt, die den Wasserstand dauerhaft absenken.
Die Entwässerung hat jedoch weitreichende Folgen für die Funktionsfähigkeit von Mooren. Durch den Sauerstoffeintritt beginnt der zuvor konservierte Torf zu mineralisieren. Der über Jahrtausende gespeicherte Kohlenstoff wird dabei überwiegend als Kohlendioxid (CO₂) freigesetzt. Entwässerte Moore verlieren somit ihre Funktion als Kohlenstoffsenken und werden zu bedeutenden Quellen von Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus gehen wichtige Lebensräume verloren, der Wasserhaushalt verändert sich und die Biodiversität nimmt ab.
Der Schutz, die Wiedervernässung und die nachhaltige Bewirtschaftung von Mooren gelten daher heute als zentrale Maßnahmen des Klima-, Natur- und Gewässerschutzes.
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Erholungs- und Bildungsfunktion
Naturnahe Moore sind einzigartige Landschaftselemente mit hohem Erlebniswert. Sie bieten Möglichkeiten zur naturbezogenen Erholung, Umweltbildung und wissenschaftlichen Forschung. Ihre besondere Vegetation, die oft weiten offenen Landschaften und die hohe Artenvielfalt machen Moore zu faszinierenden Naturgebieten.