Biobasierte Dämmstoffe für Wohngebäude in Bayern (BioDämm)
Ziel des Projekts BioDämm war es, den Status Quo der Verwendung von biobasierten Dämmstoffen in privaten Wohngebäuden in Bayern zu untersuchen. Das Projekt adressiert hierbei verschiedene wirtschaftliche und gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure, nämlich private Hauseigentümer:innen und Bauherr:innen, Akteur:innen des Baugewerbes sowie die Rolle von Kommunen.
Hintergrund und Motivation
Zur Erreichung der Klimaziele muss auch der Gebäudebestand klimaneutral werden. Hierzu sind ambitionierte Energiestandards für Neubauten nötig, eine deutliche Steigerung der energetischen Sanierungstätigkeit im Bestand und ein Fokus auf die eingesetzten Materialien. Ein wichtiges Baumaterial sind dabei die biobasierten Dämmstoffe.
Für die Dämmung von Gebäuden werden in Deutschland jedoch bislang v. a. konventionelle Dämmstoffe genutzt. Zudem konnten die Marktanteile biobasierter Dämmstoffe deutschlandweit bislang kaum gesteigert werden.
Eine Möglichkeit biobasierte Dämmstoffe weiter in den Markt zu bringen, stellt deren finanzielle Förderung dar. Da der Einsatz biobasierter Dämmstoffe auf Bundes- und Landesebene (Bayern) derzeit nicht gefördert wird, können hier Kommunen besondere Anreize setzen. Diese Möglichkeit nutzen auch verschiedene Kommunen in Deutschland, um damit z. B. eigene Klimaziele besser erreichen zu können.
Zielsetzungen des Projekts
Vor diesem Hintergrund hatte das Projekt zum Ziel, den Status Quo der Verwendung von biobasierten Dämmstoffen in privaten Wohngebäuden in Bayern zu untersuchen.
Im Einzelnen sollten folgende Fragen beantwortet werden:
- In welchem Umfang werden bislang in Bayern biobasierte Dämmstoffe eingesetzt?
- Wie sind das derzeitige Interesse und die Akzeptanz von biobasierten Dämmstoffen in Regionen mit und ohne kommunale Förderung in Bayern?
- Welche Faktoren hemmen und fördern einen gesteigerten Einsatz von biobasierten Dämmstoffen?
- Können kommunale Förderprogramme den Einsatz von biobasierten Dämmstoffen steigern und wie müssen die Programme gestaltet sein, damit sie zu einem vermehrten Einsatz dieser Materialien führen?
Ergebnisse im Projekt BioDämm
Im Rahmen des Projekts wurde auch die Broschüre “Biobasierte Dämmstoffe voranbringen: Handlungsempfehlungen für Kommunen und Akteure” erstellt, die als PDF heruntergeladen werden kann!
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Erste Erkenntnisse aus der Literatur zu biobasierten Produkten
Definition biobasiertes Produkt
„Produkt, das ganz oder teilweise aus Biomasse gewonnen wird. Das biobasierte Produkt wird normalerweise durch den biobasierten Kohlenstoffanteil oder den biobasierten Anteil charakterisiert.“(EN 16575:2014 „Bio-based products–Vocabulary“)
Hindernisse für biobasierte Produkte
- Verbraucher sind oft unzureichend informiert (Hempel, 2019; Sijtsema et al., 2016)
- Preis und Funktionalität wiegen meist stärker als die Eigenschaft „biobasiert“ (Ruf et al., 2022)
- Verbraucher die Technologien vertrauen: wenig besorgt über Ressourcenerschöpfung
- Technologiekritische Personen: fokussiert auf ressourcenschonende Verhaltensweisen (z.B. Einbau von biobasierten Dämmstoffen)
Hindernisse für biobasierte Baumaterialien
- hohe Suchkosten für Bauende
- begrenzte Produktvielfalt
- ungünstige Platzierung und Präsentation im Handel
- Personal im Handel unzureichend geschult (Ruf et al., 2024)
Biobasierte Dämmstoffe im Überblick
Welche Materialien gibt es?
Pflanzliche Rohstoffe Tierische Fasern - Flachs
- Hanf
- Holz (Holzfasern, Holzspäne, Holzwolle)
- Kokosfasern
- Kork
- Schilfrohr
- Seegras
- Stroh
- Wiesengras
- Zellulose
- Jute
- Schafwolle
(Deutsche Umwelthilfe, 2020; Schmidt & Windhausen, 2023)
Anwendungsbereiche für biobasierte Dämmstoffe
Gut geeignet für die Dämmung von… Weniger gut geeignet für die Dämmung von… - Geschossdecke
- Dach
- Boden
- Innenwände
- Fassade
- Erdberührte Bauteile (Perimeter)
- Abdichtung eines Flachdachs
- Nachträgliche Kerndämmung
(Deutsche Umwelthilfe, 2020)
Technische Eigenschaften von biobasierten Dämmstoffen
Positiv Negativ - Wärmeleitfähigkeitswert meist unter 0,05 W/(m*k) → gute Dämmleistung
- guter sommerlicher Hitzeschutz
- guter Schallschutz
- gute Entsorgungsmöglichkeiten
- geringe (bis keine) chemischen Zusatzstoffe → gesundheitsverträglicher
- Verarbeitung hautfreundlicher
- angenehmes Raumklima
- Verwendung umweltfreundlicher, nachwachsender Rohstoffe
- Primärenergieinhalt (Energiemenge zur Herstellung) geringer als bei konventionellen Dämmstoffen
- Gute Umweltverträglichkeit
- Höhere Kosten (relativieren sich aber, da selten entscheidender Faktor im Gesamtpreis)
- Defizite beim Brandschutz
(Deutsche Umwelthilfe, 2020; FNR, 2024; Schmidt & Windhausen, 2023)
Akzeptanz biobasierter Dämmstoffe: Forschungsstand
- Marktanteil für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffe 2019: 9% (FNR, 2024)
- Positive Kaufbereitschaft der Bauenden
- Hausbesitzer sind mit bereits eingesetzten biobasierten Dämmstoffen zufrieden
- Mangel an ausreichenden Fachkräften mit fundiertem Wissen, die biobasierte
- Dämmstoffe einbauen können => Entscheidung fällt trotz positiver Einstellung gegenüber nachhaltigen Materialien auf konventionelle Alternativen (Deutsche Umwelthilfe, 2020)
- Sozialer Einfluss und öffentliche Einstellungen sind nicht länger die Hauptbarrieren für ökologische Innovationen.
- Die größten Hürden liegen in Managemententscheidungen, die weiterhin fossile Produkte bevorzugen und bestimmen, welche Materialien Händlern und Kunden angeboten werden.
(Götze & Naderer, 2019)
Weitere Informationen zu biobasierten Dämmstoffen finden Sie unter: Ökologische Dämmstoffe: Preisvergleich, Vor- & Nachteile | co2online -
Ergebnisse der deutschlandweiten Onlineumfrage
Im Rahmen des Projekts BioDämm wurde zwischen Mai und Juni 2024 eine deutschlandweite Onlineumfrage durchgeführt. Adressaten der Umfrage waren Eigentümerinnen und Eigentümer privater Wohngebäude (Reihenhäuser, Doppelhaushälften, Einfamilienhäuser), die diese selbst bewohnen. Zur Teilnahme berechtigt waren Personen ab 18 Jahren.
Voraussetzung: Teilnehmende mussten ihr Wohngebäude entweder in den letzten 10 Jahren saniert oder in den letzten 5 Jahren neu gebaut haben. Auch laufende Sanierungen waren zulässig, sofern die Planung bereits abgeschlossen war.
Nach der Datenbereinigung verblieben 1.194 Personen.
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Die Stichprobe im Überblick
Die Mehrheit der Teilnehmenden ist Eigentümer eines Einfamilienhauses (75,1%), gefolgt von der Doppelhaushälfte (13.3%). Die Wenigsten sind Eigentümer eines Reihenendhauses oder eines Reihenmittelhauses. - Die Geschlechterverteilung in der Stichprobe (männlich/weiblich) ist ungefähr ausgeglichen.
- Die meisten Teilnehmenden sind zwischen 40 und 59 Jahre alt (41,0 %) und arbeiten in Vollzeit (56,4 %).
- Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen der Mehrheit liegt zwischen 2.001 € und 5.000 € (61,7 %).
- Die Haushaltsgröße beträgt in der Regel zwei bis drei Personen pro Haushalt (58,6 %).
Verwendete Materialien
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Einflussfaktoren auf den Einsatz von biobasierten Dämmstoffen
Fördernde Einflussfaktoren
- Hoch eingeschätztes Wissen über biobasierte Dämmstoffe
- Vorhandenes Umweltbewusstsein der Teilnehmer
- Positive Einschätzungen durch wichtige Bezugspersonen
- Eigene positive Einstellung gegenüber biobasierten Dämmstoffen
- Positive Einschätzung der eigenen Fähigkeit, biobasierte Dämmstoffe einsetzen zu können
- Hohe Intention biobasierte Dämmstoffe einzusetzen bereits während der Planungsphase
Hinweis: Weitere Informationen dazu, wie die Einflussfaktoren zusammenhängen und in ein theoretisches Modell eingeordnet wurden, können Sie hier nachlesen.
Tipps für Produzenten, Berater & den Handel
Wissen potentieller Kunden steigern
- Informationskampagnen zu biobasierten Dämmstoffen
- Soziale Komponente aufnehmen (z.B. Beispiele aus der Region)
- Best practice Beispiele: Möglichkeiten Baustellen oder Musterhäuser zu besuchen & die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen
Angebot erweitern
- Angebot erweitern im Fachhandel
- Klare Kennzeichnung der biobasierten Dämmstoffe
- Personal schulen
Unterstützungsangebote für Bauende
- Seminare anbieten, bei der die Teilnehmenden erlernen, biobasierte Dämmstoffe einzubauen & mehr über die Produkte erfahren
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Förderprogramme: Bekanntheit & Nutzung
Kapitel folgt in Kürze
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Tipps für Kommunen und Behörden
- Informationsveranstaltungen für Förderprogramme anbieten
- Webseite mit übersichtlicher Darstellung aller Informationen & angebotenen Förderprogrammen
- Ansprechpersonen für Rückfragen bereitstellen
- Verfahren vereinfachen und verständlich gestalten
- Voraussetzungen reduzieren (z.B. in Bezug auf die Übernahme von Eigenleistung)
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Literatur
Deutsche Umwelthilfe. (2020). Ökologisch und leistungsstark – Dämmen mit nachwachsenden Rohstoffen. https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Energieeffizienz/Gebaeude/Praxisbroschure_NawaRo-Daemmstoffe_Web_2522020.pdf
FNR. (2024). Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. https://www.fnr.de/fileadmin/allgemein/pdf/broschueren/P20337_FNR_Brosch_Daemmstoffe_2023_v13r08_231208_bf.pdf
Götze, S., & Naderer, G. (2019). From the attitude-behaviour-gap to a producer-people-gap? International Journal of Sustainable Development & World Ecology, 26(5), 377-388. https://doi.org/10.1080/13504509.2019.1578701
Hempel, C. W., Sabine; Zander, Katrin. (2019). Bioökonomie aus Sicht der Bevölkerung (Vol. 115). Johann Heinrich von Thünen-Institut. https://doi.org/10.3220/WP1545134625000
Ruf, J., Emberger-Klein, A., & Menrad, K. (2022). Consumer response to bio-based products – A systematic review. Sustainable Production and Consumption, 34, 353-370. https://doi.org/10.1016/j.spc.2022.09.022
Ruf, J., Menrad, K., & Emberger-Klein, A. (2024). Consumer perceptions and assessments of the local range of bio-based building products for renovation and refurbishment in Germany. EFB Bioeconomy Journal, 4. https://doi.org/10.1016/j.bioeco.2024.100063
Schmidt, P., & Windhausen, S. (2023). Nachhaltige Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen im Bauwesen. In 2023 Bauphysik Kalender (pp. 197-221). https://doi.org/10.1002/9783433611289.ch6
Sijtsema, S. J., Onwezen, M. C., Reinders, M. J., Dagevos, H., Partanen, A., & Meeusen, M. (2016). Consumer perception of bio-based products—An exploratory study in 5 European countries. NJAS - Wageningen Journal of Life Sciences, 77, 61-69. https://doi.org/10.1016/j.njas.2016.03.007
Publikationen
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Wissenschaftliche Artikel
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Konferenzbeiträge
Promotionen
Einflussfaktoren auf den Einsatz von biobasierten Dämmstoffen in privaten Wohngebäuden in Deutschland
- Promovierende Person
- Isabella Limbrunner
- Forschungsschwerpunkt
- Energieeffizienz
- Zeitraum
- 01.07.2023 – 30.06.2027
- Wissenschaftlich betreuende Person (HSWT)
- Prof. Dr. Klaus Menrad
- Einrichtung
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Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie
Standort Straubing für nachhaltige Ressourcennutzung