29.06.2007
4. Bayerisches Symposium Freizeitgartenbau
Informationsstelle der Forschungsanstalt


Humusgehalte bayerischer Gartenböden

Entwicklung von Porree in Gartenböden

Düngeempfehlung - bitte klicken!
'Boden, Kompost, Düngung - altes Wissen trifft neue Erkenntnisse'
Boden, Kompost, Düngung - alles alte Hüte? - Von wegen! Ökologisch hoch brisant präsentierte sich der gesamte Themenkomplex beim 4. Symposium in Weihenstephan. Vielen althergebrachten 'Sitten' wurde dabei die rote Karte gezeigt.
Überdüngung im Garten - fast alle Kleingärten sind betroffen. Hauptproblem ist dabei das meist fehlende Wissen der Zusammenhänge von Boden, Kompost und Düngung. Bekannt sind seit längerem Zahlen zur Phosphat- und Kali-Versorgung. Weitgehend unklar war die Versorgung mit Stickstoff. Zur Klärung von Stickstoff-Überversorgung in bayerischen Hausgärten läuft derzeit ein Projekt an der Forschungsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan.
Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim führte die Teilnehmer in das Thema Boden ein. Der Boden ist ein komplexes Gebilde aus mineralischen und organischen Bestandteilen, Wasser und Luft. Dabei spielen die unterschiedlichen Größen der mineralischen Bestandteile wie Sand und Ton eine große Rolle bei der Fruchtbarkeit, Luft- und Wasserversorgung. Das Bodenleben und der Humusanteil sind für die Versorgung von Pflanzen ebenso entscheidend. Je nach Belebtheit im Boden und Anteil an organischer Masse wird der Anteil an pflanzenverfügbarem Stickstoff beeinflusst. Stickstoff ist vornehmlich im Humus des Bodens eingebunden und ist in dieser organischen Form nicht pflanzenverfügbar. Ein Teil davon wird aber in der Vegetationsperiode (verstärkt bei anhaltend warmer Witterung) durch Bodenlebewesen fortwährend freigesetzt und somit für die Kulturpflanze als mineralischer Stickstoff verfügbar gemacht.
Martin Jauch von der Forschungsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan informierte die Teilnehmer zur Kompostierung im Garten. Kompost ist als Bodenverbesserungs- und Düngemittel einzustufen, da bereits mit relativ geringen Kompostgaben ein beachtlicher Nährstoffeintrag in den Boden erzielt wird. Die Kompost-Ausbringungsmenge muss daher limitiert werden. Sie sollte sich am Nährstoffbedarf der Pflanzen orientieren. Zu empfehlen sind jährlich maximal 1 bis 3 Liter Kompost/m². Eine ergänzende Düngung sollte sich auf Stickstoffgaben begrenzen (z.B. Horngrieß, Kalkammonsalpeter). Da dem Boden über den Kompost ausreichende Mengen an Phosphat und Kali zugefügt werden, dürfen diese Elemente nicht zusätzlich gedüngt werden. Die meisten Hausgärten sind um ein vielfaches mit Phosphaten versorgt und brauchen noch Jahre, um in 'normale' Größenordnungen zurückzufinden.
Eine umfassende Anleitung zur fachgerechten Kompostierung ist im „Leitfaden für die Kompostierung im Garten - Aus Abfall wird Dünger“ der Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan zusammengestellt. Sie finden den Leitfaden im Internet unter: www.fh-weihenstephan.de/fgw -> Forschung -> Datenbank-Recherche
Benutzen Sie die Volltextsuche, geben Sie „Leitfaden“ ein und starten Sie die Suche.
Hermann Konnemann und Dr. Annette Bucher referierten zur fachgerechten Düngung im Garten. Sie stellten damit die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes vor. Neben der Darstellung des derzeitigen Nährstoffversorgungszustandes bayerischer Haus- und Kleingärten wurde auf die Bedeutung des Düngepotenzials und der Humusversorgung des Bodens für das Pflanzenwachstum eingegangen. Untersuchungen haben gezeigt, dass über 80 % der Böden Humusgehalte über den üblichen Werten aufweisen. Hauptursache der Humusanreicherung sind hierbei sehr wahrscheinlich anhaltend übermäßige Stallmist- und Kompostgaben. Kompost und Stallmist sind Düngemittel!
Bei einer Versorgung mit 6 % Humus (rund 70 % der Hausgärten) lassen sich bereits 20 bis 22 g N/m² anrechnen. Viele Pflanzenarten können hierdurch ihren Stickstoff-Bedarf vollständig (Salat, schwachwüchsige Stauden) bzw. zum Großteil (Kohl-Arten, Kürbis, starkwüchsige Stauden, Rosen) decken. Trotz der zu erwartenden hohen Stickstofffreisetzung bei Humusgehalten über 4 % ist im Frühjahr meist eine geringe Startdüngung notwendig, da die Bodentemperaturen für die erforderlichen Umsetzungsprozesse noch zu niedrig sind. Pflanzen mit geringem und mittlerem Stickstoffbedarf benötigen dann während des übrigen Jahres keine weiteren Düngergaben. Auf den Einsatz von Mehrnährstoffdüngern mit Phosphat und Kali soll verzichtet werden.
Am Nachmittag folgte der Theorie die Praxis.
Thomas Jaksch präsentierte im Kleingarten der Forschungsanstalt Salate auf humosen Böden mit und ohne Düngung - bei der Variante mit der Düngung nach 'gärtnerischem Gefühl' zeigten sich dabei die größten Wuchsdepressionen. Auf dem humosen Boden schnitt die Variante mit einer kleinen Stickstoff-Startdüngung und ohne weitere Düngung am besten ab. Die Theorie am Vormittag zeigte sich in der Praxis eindrucksvoll bestätigt.
Hermann Konnemann zeigte den Teilnehmer den Versuchsaufbau der Auswaschungsanlage. Mit dieser Versuchsanlage konnten bereits die Ergebnisse mit Porree vorgestellt werden.
Martin Jauch demonstrierte die fachgerechte Entnahme von Bodenproben - sowohl mit einem passenden Bohrstock als auch mit einem Spaten. Die anschließende Untersuchung auf den Nitrat-Gehalt im Boden zeigte eindrucksvoll: hier wird kein weiterer Dünger gebraucht. Jeder kann in seinem Garten schnell einen Nitrattest durchführen - was dazu gebraucht wird, zeigt Ihnen dieses pdf-Dokument (0,3 MB).
Ernährungsstörungen an Gemüse präsentierte Katharina Anneser. Mit der CD 'Ernesto' steht ein Hilfsmittel zur Symptomerkennung zur Verfügung.
Das Symposium ging mit strahlendem Sonnenschein zu Ende. Diese Veranstaltung für den Freizeitgartenbau wurde gemeinsam von der Staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan und der Bayerischen Gartenakademie ins Leben gerufen und findet jährlich abwechselnd in Freising- Weihenstephan und Veitshöchheim statt.
Dipl.-Ing. (FH) Viola Stiele,
Informationsstelle,
Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan