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Infodienst Weihenstephan - Ausgabe November 2010

Substrate


Substrate für Topfkräuter aus mongolischer Sicht

In der Mongolei sind bei uns gängige, torfhaltige Anzuchtsubstrate nicht erhältlich. Daher beschäftigte sich Frau Otgontsetseg* während eines Forschungsaufenthaltes an der FGW mit der Entwicklung eines Anzuchtsubstrates für Topfkräuter auf der Basis von Rohstoffen, die in der Mongolei verfügbar sind. Es wurden Mischungen aus Rinder- bzw. Pferdemist mit Sägemehl, Ackerboden und Sand hergestellt und hinsichtlich ihrer Eignung für die Kultur von Jungpflanzen geprüft. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Gefahr einer möglichen Stickstoffimmobilisierung bei der Verwendung von Sägemehl gesetzt.

Material und Methoden

Tabelle 1 zeigt die Zusammensetzung der Versuchssubstrate. In den Varianten 1-3 und 4-6 wurden jeweils steigende Mengen abgelagerter Rindermist (10 - 30 Vol.-%) verwendet. Zusätzlich wurde in den Varianten 4-6 Stickstoff in Form von Hornmehl gegeben, um die Gefahr einer Stickstoffimmobilisierung beim mikrobiellen Abbau der Sägespäne zu verringern. Je höher der Anteil an Sägespänen in dem einzelnen Substrat war, desto mehr Stickstoff wurde zusätzlich gegeben. In den Varianten 7-9 und 10-12 wurde hinsichtlich der Sägespäne und Hornmehlgabe analog verfahren, allerdings wurde hier abgelagerter Pferdemist verwendet. Als Kontrollsubstrat ist ein kommerziell erhältliches Substrat (Einheitserde P) eingesetzt worden.

Tab 1: Variantenplan

Nach dem Mischen der Rohstoffe wurde vor der Aufdüngung eine Analyse der Substrate vorgenommen (Tab. 2). Die Phosphat- und Kaliumgehalte waren in allen Substraten sehr hoch. Die z.T. sehr geringen Stickstoffgehalte wurden auf ein einheitliches Niveau von 300 mg N/l durch die Gabe von Hornmehl angehoben. Zusätzlich wurde die erwähnte N-Ausgleichsdüngung zur Reduzierung der N-Immobilisierung vorgenommen.

Tab. 2: Substratanalyse der Mischungen vor Aufdüngung

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Der Versuch wurde mit 3 Wiederholungen à 9 Töpfen durchgeführt. Dazu erfolgte am 15.12.2009 die Aussaat von 30 Korn Basilikum pro 9cm-Topf. Nach 3 Wochen wurde gezählt, wieviele Pflanzen gekeimt waren. Die Auswertung des Versuches erfolgte mit der Ernte nach 8 Wochen Kulturdauer.

Ergebnisse

Keimung

Drei Wochen nach der Aussaat wurde gezählt, wieviele Pflanzen pro Topf gekeimt waren. Die Ergebnisse sind als Prozentsatz gekeimter Pflanzen in Abb. 1 dargestellt. Dieser betrug in der Kontrolle 67 %. Bis auf drei Varianten, war in allen anderen die Keimrate nicht signifikant von der der Kontrolle verschieden. Lediglich die Varianten 4 (10 % Rindermist + N), 11 (20 % Pferdemist + N) und 12 (30 % Pferdemist + N) wiesen statistisch signifikant niedrigere Keimraten als die Kontrolle auf.

 

Abb. 1: Keimungsrate von Basilikum nach 3 Wochen

Frischmasse

Nach 8 Wochen Kulturdauer wurden die Basilikumpflanzen abgeschnitten und die Frischmassen durch Wägung ermittelt. Die Ergebnisse sind in Abb. 2 dargestellt. Zusätzlich geben Abb. 3 und 4 einen Eindruck über das Erscheinungsbild der Pflanzen zum Erntetermin.
In der Kontrolle wurde im Mittel eine Frischmasse von etwa 25 g/Topf erreicht. Diese wurde von der Variante 5 (20 Vol.-% Rindermist + N) signifikant übertroffen. Ähnlich hoch wie in der Kontrollvariante lagen die Frischmasseerträge in den Varianten 11 und 12 (20 bzw. 30 Vol.-% Pferdemist + N) trotz der niedrigeren Keimraten. Dagegen wiesen die Varianten 4, 6 und 10 etwas geringere und die Varianten 1-3 sowie 7-9 deutlich geringere Frischmassen als die Kontrolle auf. Der Vergleich dieser Ergebnisse mit der Blattfarbe und dem Wuchscharakter (Abb. 3 und 4) legt die Vermutung nahe, dass die Wachstumsminderung durch Stickstoffmangel in Folge von Stickstoffimmobilisierung beim mikrobiellen Abbau der Sägespäne zustande gekommen war. Das deutliche Minderwachstum von Variante 6 gegenüber Variante 5 ist aus den Versuchsergebnissen nicht eindeutig zu erklären. Eine Rolle können hier die hohen Salzgehalte von 2,28 g/l zu Kulturbeginn gespielt haben, die auch an der Wachstumsminderung in Variante 3 mit der gleichen Substratmischung beteiligt gewesen sein können. Zu Kulturende lagen die  Salzgehalte in allen Substraten unter 0,8 g/l und somit im gut pflanzenverträglichen Bereich.

 

Abb. 2: Frischmasse pro Topf von Basilikum zum Erntetermin nach 8 Wochen Kulturdauer

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kultur von Basilikum in Substraten aus Rohstoffen, die auch in der Mongolei verfügbar sind, z.T. ohne Ertragseinbußen möglich ist. Wichtig ist aber, bei der Verwendung von Sägespänen (oder anderen leicht abbaubaren Holzreststoffen) dem Auftreten einer Stickstoffimmobilisierung durch eine zusätzliche Stickstoffdüngung vorzubeugen. Unter dieser Voraussetzung lassen sich durchaus Substrate für Topfkräuter herstellen, ohne dabei auf Torf, der in der Mongolei nicht verfügbar ist, zurückgreifen zu müssen.
Da der Versuch mit Rohstoffen aus Deutschland durchgeführt wurde, die sich möglicherweise von denen aus der Mongolei unterscheiden, müssen die Ergebnisse mit Substraten aus "original mongolischen Rohstoffen" durch Versuche vor Ort noch validiert werden.

Abb. 3: Basilikum nach 8 Wochen Kulturdauer in Substraten ohne zusätzliche N-Gabe zum Ausgleich der N-Immobilisierung
Abb. 4: Basilikum nach 8 Wochen Kulturdauer in Substraten mit zusätzlicher N-Gabe zum Ausgleich der N-Immobilisierung

Dr. Annette Bucher
Institut für Gartenbau
Otgontsetseg Orlomjav

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* Frau Otgontsetseg Orlomjav weilte von Anfang Dezember 2009 bis Ende Februar 2010 zu einem Forschungsaufenthalt an der Staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau - siehe Infodienst März 2010.
Frau Otgontsetseg ist an der Mongolischen Staatsuniversität für Landwirtschaft (MSUL) in Ulaanbaatar in der School of Agrobiology als Dozentin tätig.