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Infodienst Weihenstephan

Ausgabe November 2009


Forschungsprojekt: "Fachgerechte Düngung im Garten unter Berücksichtigung der Stickstoffgehalte im Boden"

 

An der Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan wurde von September 2005 bis August 2008 das Forschungsprojekt "Fachgerechte Düngung im Garten unter Berücksichtigung der Stickstoffgehalte im Boden" bearbeitet. Hintergrund der Untersuchungen war die Annahme einer sehr hohen Versorgung der Haus- und Kleingärten mit Nährstoffen, vor allem mit Stickstoff und mit Humus. Diese hohe Versorgung birgt sowohl ökologische, als auch gesundheitliche und pflanzenbauliche Risiken - z.B. Auswaschung von Nitrat in das Grundwasser, hohe Nitratgehalte im Gemüse, geringerer Anteil an wertgebenden Inhaltstoffen wie z.B. Vitaminen und Geschmacksstoffen und höhere Anfälligkeit gegenüber einer Vielzahl von Schaderregern.Vorrangige Ziele des Projektes waren daher:

  • Bestandsaufnahme des aktuellen Versorgungszustandes der Böden bayerischer Haus- und Kleingärten
  • Untersuchung der Stickstoffdynamik in Gartenböden (Nmin-Nachlieferung, Auswaschung) und der Stickstoffdüngewirkung der Böden
  • Entwicklung einer optimierten Düngeempfehlung für den Hobbygartenbau (EDV-Berechnungsprogramm für die Düngung, Leitfaden zur Düngung)

Erfassung des aktuellen Nährstoff- und Humusversorgungszustandes von Gartenböden

Mit Hilfe einer etwa 1600 Bodenproben umfassenden Erhebungsuntersuchung wurde der aktuelle Versorgungszustand der Gartenböden mit Gesamt- und Mineralstickstoff sowie Humus ermittelt.
Unabhängig von der Bewirtschaftungsart wiesen 87 % der Gartenböden Gesamtstickstoffgehalte über 0,2 % auf und lagen somit über den für Erwerbsböden  üblichen  Werten. Der Gesamtstickstoffgehalt von Rasenflächen war deutlich geringer als der von Gemüse- und Ziergartenflächen.
Hohe bis sehr hohe Humusgehalte von über 4 % wiesen 97 % aller untersuchten Böden auf, der Mittelwert lag bei 10,2 % (Abb. 1). Tendenziell war der Versorgungszustand der Rasen- und Obstflächen geringer als der der Gemüse- und Ziergartenflächen. Zwischen den Gehalten an organischer Substanz (OBS = Humus) und an Gesamtstickstoff bestand eine enge positive Beziehung.

Abb. 1: Häufigkeitsverteilung der Gehalte an organischer Bodensubstanz (OBS) in Gartenböden unabhängig von der Bewirtschaftungsart

Vor allem im Herbst nach Ende der Vegetationsperiode wurden hohe Werte für den Mineralstickstoffgehalt (Nmin) im Boden analysiert - bei 48 % der Böden über 50 kg/ha, was unter ökologischen Aspekten als kritisch einzustufen ist. Bei Messung im Frühjahr enthielten 76 % der untersuchten Böden Mineralstickstoffgehalte unter 50 kg/ha.

Weder die Gesamtstickstoff- noch die Mineralstickstoffgehalte zeigten eine signifikante Beziehung zu den Kalium- bzw. Phosphatgehalten der Böden und ließen sich daher rechnerisch nicht aus letzteren prognostizieren.

Untersuchung der Stickstoffdynamik von Gartenböden

a) Nmin-Nachlieferung

Die Umwandlung des im Humus organisch gebundenen Stickstoffs in mineralischen, pflanzenverfügbaren Stickstoff (Ammonium und Nitrat) durch die Tätigkeit von Mikroorganismen bezeichnet man als Nmin-Nachlieferung oder auch als Mineralisierung. Aufgrund des hohen Versorgungszustandes der Böden mit organischer Substanz ist eine enorme Nachlieferung von Mineralstickstoff zu erwarten. Im Rahmen des Projektes sollte zum einen die Höhe der Nmin-Nachlieferung in Gartenböden festgestellt werden. Zum anderen sollte eine Möglichkeit zur Prognose der Nachlieferung geschaffen werden, um sie in Düngungsberechnungen einbeziehen zu können.

Zunächst wurde auf 12 Bracheparzellen in zwei Kleingartenanlagen die Nmin-Nachlieferung von Gartenböden bestimmt. Festzustellen war dabei ein mittlerer Wert von 127 kg/ha im Jahr 2006 und 112 kg/ha im Jahr 2007. Da die Werte aufgrund der großen Schwankungen um die Mittelwerte und der geringen Anzahl von 12 untersuchten Böden nicht verallgemeinert werden konnten, wurde in der Folge eine höhere Anzahl Böden (72) im Brutversuch auf ihre Nmin-Nachlieferung untersucht. Im 12-wöchigen Brutversuch wurde die gleiche absolute Nmin-Nachlieferungshöhe festgestellt wie auf den entsprechenden Bracheflächen im Freiland während einer Vegetationsperiode. Allerdings konnten weder einfache noch multiple Korrelationsrechnungen zur Berechnung der Nmin-Nachlieferung auf den Bracheflächen bzw. im Brutversuch herangezogen werden, da sie keine befriedigende Prognose erlaubten. Daher wurde zur Prognose der Nmin-Nachlieferung aus den Daten der Brutversuche ein Stufenmodell entwickelt, das die mindestens zu erwartende Nmin-Nachlieferung von Gartenböden während der Bebrütung bei bestimmten Humusgehalten angibt. Eine Übertragung der Ergebnisse des Brutversuches auf das Freiland war möglich, da dort die gleichen Mengen mineralisiert wurden. Es wurde errechnet, welche Mineralstickstoffmengen im Freiland in definierten Kalenderwochen bei bestimmten Bodenhumusgehalten mindestens nachgeliefert werden und dabei der zeitliche Verlauf während der Vegetationsperiode im Freiland berücksichtigt (Abb. 2).

b) Auswaschung von Nitrat

In einer Großgefäßanlage, die mit Gartenböden unterschiedlichen Gehalts an organischer Substanz befüllt war, wurde die Nitratauswaschung bei verschiedenen N-Düngestrategien und mehreren Kulturen ermittelt. In den nicht mit Stickstoff gedüngten und in den unter Berücksichtigung des N-Angebots des Bodens versorgten Varianten (KNS-System) war die Nitratauswaschung geringer als in den nach Faustzahl gedüngten Varianten.
In situ wurde bei den meisten Gartenböden ebenfalls eine relevante Auswaschung von Nitrat beobachtet. Diese betrug über den Winter auf gesondert untersuchten Flächen zwischen 30 und 70 % des Nmin-Rests im Herbst, bezogen auf die Bodenschicht 0 - 90 cm (Abb. 3).

Abb. 3: Nmin-Auswaschung von November 2005 bis März 2006

Feststellung der Auswirkung von stickstoffreichen Gartenböden auf Wuchsleistung, Ertrag und Pflanzenqualität

Bei Gartenböden mit unterschiedlichen Gehalten an organischer Substanz wurde in einer Großgefäßanlage untersucht, welche Düngewirkung diese Böden bei verschiedenen N-Düngestrategien auf Wachstum und Ertrag mehrerer Kulturen haben. Es konnte eine eindeutige Düngewirkung der Böden  bei der Kultur von Porree, Kopfsalat und Weißkohl festgestellt werden, die in Beziehung zum Gehalt an organischer Bodensubstanz stand. In vielen Fällen wurden bereits ohne zusätzliche N-Düngung marktübliche Erträge und Qualitäten erzielt.
Die Gesamtstickstoffgehalte von Porree, Kopfsalat und Weißkohl sowie die Nitrat-gehalte von Salat und Weißkohl erhöhten sich mit steigendem N-Angebot des Bodens und zunehmender Stickstoffdüngung.
Auf Bracheflächen in Kleingartenanlagen wurde festgestellt, dass das aus dem Nmin-Vorrat im Frühjahr und der Nmin-Nachlieferung während der Vegetationsperiode bestehende Stickstoffangebot des Bodens in allen Fällen ausreichend für die Kultur von schwach zehrenden Pflanzenarten gewesen wäre. Auf einigen Böden hätte das N-Angebot sogar den N-Bedarf von Starkzehrern gedeckt (Abb. 4).

Abb. 4: Nmin-Angebot auf Bracheflächen in 2006 im Vergleich zum N-Bedarf von Pflanzen unterschiedlicher Bedarfsgruppen

Prüfung von einfachen Analysemethoden zur Erfassung der Mineralstickstoffgehalte in Gartenböden vor Ort

Zur Berechnung der Stickstoffdüngermenge müssen neben der Nachlieferung auch die Ausgangsgehalte (Nmin-Vorrat) im Boden bekannt sein. Die Nmin-Gehalte im Boden verändern sich bei Erwärmung des Bodens sehr schnell, so dass es notwendig ist, die Bodenprobe zwischen Entnahme und Analyse ununterbrochen zu kühlen. Daher ist es einfacher, den Nmin-Gehalt statt im Labor, vor Ort mit Hilfe eines Schnelltests zu bestimmen. Unterschiedliche Schnelltests und Extraktionsmethoden wurden miteinander und mit der Standard-Laboranalyse verglichen, um zu prüfen, ob sie für den Einsatz im Haus- und Kleingarten geeignet sind. Selbst mit einem  praxisorientierten, sehr einfachen Extraktionsverfahren (destilliertes Wasser als Extraktionsmittel, Extraktionsverhältnis 1+1, 3-5 Minuten Schütteldauer, Filtration durch Kaffeefilter) konnte der Nmin-Gehalt im Boden hinreichend genau bestimmt werden. Die untersuchten Teststäbchen und Schnelltestgeräte (Nitracheck, RQflex®-Reflektometer, RQeasy®-Messgerät) sind für den Einsatz im Hobbybereich zur Berechnung der notwendigen Düngermenge alle gleichermaßen gut geeignet.
 
Optimierung der Düngeberatung und Düngermengenberechnung sowie Zusammenstellung des aktuellen Wissens zur Düngung

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse, vor allem die zur Stickstoffdynamik in Gartenböden, fanden Niederschlag in einem EDV-Programm, das Beratern, Gartenpflegern und Hobbygärtnern die Bemessung der Düngungshöhe im Garten erleichtern soll (Abb. 5). Dieses Programm - 'Düngung im Garten' (DiG) - wird Ende 2009 zum kostenfreien Download auf den Internetseiten der Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan(www.hswt.de/fgw.html) zur Verfügung stehen.

Das EDV-Programm wird ein durch einen 'Leitfaden zur Düngung im Garten' ergänzt, der allen Interessierten die Ergebnisse des Projektes sowie weitergehende Hilfen und Informationen zur Düngung in praxisnaher Form bietet.

Abb. 5: EDV-Programm 'Düngung im Garten'

 Dr. Annette Bucher
Institut für Gartenbau

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