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Infodienst Weihenstephan

Ausgabe Januar 2009


Berufsfeldanalyse Gartenbau 2008: Ergebnisse einer Absolventenbefragung an den Hochschulen

Die letzte bundesweite Berufsfeldanalyse für die Hochschulabsolventen Gartenbau wurde im Jahr 1997 durchgeführt. Es war daher an der Zeit, diese Befragung zu aktualisieren, um aktuelle Planungsdaten zu erhalten. Die Auskünfte ehemaliger Studierender können dazu dienen, die aktuellen Studienpläne der jeweiligen Hochschule zu optimieren und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes anzupassen. Diese Befragung soll außerdem jeder Hochschule dazu dienen, bei der Akkreditierung von Studiengängen in geeigneter Weise zu dokumentieren, in welchen Berufsfeldern ihre Absolventen tätig sind und ob das Studium hinreichend darauf vorbereitet hat. Und dann kann eine solche Befragung auch den Vertretern des Berufsstandes eine Rückmeldung über die berufliche Situation geben und eventuell vorhandene Defizite aufzeigen.

Abb. 1: Studenten der FH Weihenstephan bei praktischen Übungen - die Aussaat
Abb. 2: Studenten der FH Weihenstephan bei der Ernte von Ackerbohne

7 Hochschulen, darunter 4 FHs und 3 UNIs haben sich an der gemeinsamen Fragebogenaktion beteiligt, 446 Absolventen insgesamt haben geantwortet. Das bedeutet, dass etwas mehr als 10 % der Absolventen von Diplomstudiengängen der letzten 10 Jahre erfasst werden konnten. Über Bachelor- und Master-Studiengänge lassen sich aufgrund zu kleiner Datenmenge (lediglich 19 Fragebogen) keine belastbaren Aussagen machen.

Aus der Fülle der Ergebnisse sollen hier einige wenige, besonders wichtig oder interessant erscheinende Punkte in Kürze dargestellt werden:

  • Die Studiendauer schwankt stark zwischen den Hochschulen: FHs: 8.8 Semester und UNIs: 10.6 Semester im Mittel. Diese mittlere Studiendauer hat seit 1997 an FHs geringfügig zugenommen (damals 8.6), an UNIs dagegen abgenommen (damals 10.9 Semester).

  • Die Wohnortnähe wird als Hauptgrund (ca. 55 % der Absolventen) für die Wahl des Studienortes genannt und hat in der Priorität gegenüber 1997 noch zugenommen (damals ca. 45 %).

  • Die durchschnittliche Dauer von Praxisphasen vor und während des Studiums ist mit 19.7 Monaten (UNIs) bzw. 22.4 Monaten (FHs) ziemlich hoch, wobei ein Anteil von durchschnittlich 16 % (UNIs) bzw. 12 % (FHs) davon im Ausland verbracht wurde.

  • Immerhin 44 % der Absolventen mussten während der Vorlesungszeit jobben, wobei sie dies zur Hälfte außerhalb des Gartenbaus, d.h. ohne positiven Effekt für ihr Studium ’nur’ zum Geldverdienen taten. Außerdem gaben über 30 % der Absolventen an, dass "Arbeiten neben dem Studium" Grund für die Verzögerung ihres Studiums war. Der Vergleich mit den Befragungsergebnissen von 1997 zeigt eine 20%-ige Erhöhung, d.h. eine deutliche Zunahme des Problems "Studierende können sich während der Vorlesungszeit nur partiell auf das Studium konzentrieren".
  • Die mittlere Dauer der Diplomarbeiten ist mit 6 Monate (FHs) bzw. 8 Monate (UNIs) genauso deutlich verschieden wie die mittlere Note 1.7 (FHs) bzw. 1.5 (UNIs), welche die Studenten dafür erhielten.

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  • Die Zufriedenheit mit dem Gartenbau-Studium ist nach wie vor ziemlich hoch, wie die Abbildung 3 zeigt (Beurteilung gut und sehr gut: FHs 65 %, UNIs 61 %). Dies wird noch untermauert durch folgende Rückmeldung: 71 % (FHs) bzw. 63 % (UNIs) würden wieder Gartenbau studieren und zwar jeweils mit 84 % Zustimmung wiederum am selben Studienort.
Abb. 3: Beurteilung des Gartenbaustudiums aus jetziger Sicht

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  • Wie in 1997 wurde gefragt, wie der Ruf der 'eigenen' Hochschule beurteilt wird. Erfreulicherweise sind die dazu vergebenen Noten nicht nur gut, sondern haben sich gegenüber 1997 sogar noch leicht verbessert, und zwar an FHs von 2.1 (1997) auf 1.9, an UNIs von 2.4 (1997) auf 2.1 jetzt.
  • Der am häufigsten genannte Punkt zur Frage nach gewünschten Änderungen am Gartenbaustudium war 'mehr Praxisnähe'. Diese Forderung wird beispielsweise an FHs durch die Streichung eines Praxissemesters bei der BSc-Umstellung grob missachtet.

  • Abbildung 4 zeigt die Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit aller Absolventen. Die durchschnittliche Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten beträgt 47.5 h/Woche und enthält im Mittel 16 % unbezahlte Mehrarbeit.

Abb. 4: Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit
  • Bezüglich der Beschäftigungsverhältnisse ergibt sich folgendes Bild: Die prozentuale Verteilung auf die drei Kategorien Selbständig : Privatwirtschaft : Öffentlicher Dienst ist für die FH-Absolventen 20 : 53 : 27 % gegenüber 7 : 46 : 47 % für die UNI-Absolventen.

  • Die 5 wichtigsten Aufgabenschwerpunkte bei den jetzigen Tätigkeiten sind über alle Absolventen gerechnet: Mitarbeiterführung / Arbeitsorganisation, Verkauf / Vertrieb, Kulturtechnik / Pflanzenproduktion, Phytopathologie / Pflanzenschutz und Beratung. Bei einer Differenzierung der Hochschularten ergibt sich, dass für UNI-Absolventen die Bereiche Versuchswesen / Forschung, Management / Organisation / Projektplanung und Lehrtätigkeit, für FH-Absolventen betriebswirtschaftlich / kaufmännische Aufgaben bedeutend sind.

  • 40 % der FH- und 55 % der UNI-Absolventen geben an, dass sie eine Vorgesetztenfunktion ausüben, und häufig (41 %) zwischen 1 und 5 Mitarbeiter haben. Die Differenzierung nach Geschlechtern ergibt, dass 43 % der Frauen und 50 % der Männer als Vorgesetzte arbeiten.

  • Es gibt deutliche Unterschiede in der Einschätzung der Wichtigkeit von Kompetenzen zwischen FH- und UNI-Absolventen: Fundierte praktische Erkenntnisse, physische Belastbarkeit und mehrjährige berufliche Erfahrung werden von FH-Absolventen; Lernbereitschaft, Rhetorik und Fremdsprachenkenntnisse dagegen von den UNI-Absolventen wichtiger eingestuft.
  • Die Abbildung 5 zeigt deutlich, dass die bezahlten Gehälter verglichen mit denjenigen von Diplom-Ingenieuren anderer Fachrichtungen klar unterdurchschnittlich sind. Daher ist nicht verwunderlich, dass als Punkt höchster Unzufriedenheit im Berufsleben das niedrige Einkommen angegeben wird. Außerdem sind größere Unterschiede bei FH/UNI-Absolventen, zwischen den Geschlechtern, zwischen Ost/West und Effekte des Berufsalters u.a. festzustellen.

Abb. 5: Bruttogehälter (€/Monat) von Ingenieuren verschiedener Fachrichtungen im Vergleich

Der vollständige Bericht über die Ergebnisse der Befragung kann unter der folgenden Adresse aus dem Web herunter geladen werden:

www.fh-weihenstephan.de/gl/berufsfeldanalyse-gartenbau-2008.pdf

Es besteht die Absicht, eine solche Befragung in spätestens 5 Jahren zu wiederholen, um die Auswirkungen der neu eingeführten Studienabschlüsse Bachelor und Master zu erfassen.

Prof. Dr. Georg Ohmayer
Institut für Gartenbau
Fotos: Torsten Hoffmann

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