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Infodienst Weihenstephan

Ausgabe Oktober 2007


Neue Serie: Substratkomponenten

Seit Oktober 2003 wurden an dieser Stelle in 48 Beiträgen unterschiedliche Ernährungsstörungen an einer Vielzahl von Kulturen ausführlich dargestellt. Nun ist der Zeitpunkt für ein neues Kapitel gekommen. In Zukunft werden in der Rubrik Pflanzenernährung verschiedenste Substratkomponenten vorgestellt. Darunter werden sowohl "gute Bekannte" aber auch einige Exoten sein. Die Serie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist allein deshalb nicht möglich, da der Substratmarkt einem ständigen Wandel unterliegt.

Beginnen wird die neue Rubrik mit einer bisher noch wenig verbreiteten Komponente für gärtnerische Erden:

Xylit

Herkunft & Eigenschaften
Bei Xylit handelt es sich um eine Vorstufe der Braunkohle. Es besteht aus nicht vollständig inkohlierten Pflanzenteilen, bei denen die Holzstrukturen noch deutlich zu erkennen sind. Das Material fällt als Nebenprodukt beim Braunkohleabbau an. Das Rohxylit wird mechanisch zerkleinert, abgesiebt und von Braunkohleanhaftungen weitestgehend gereinigt.

Abb.1: Rohxylit
Abb.2: Rohxylit nach der Aufbereitung

Insbesondere auf Grund seiner geringen Nährstoffgehalte und günstigen pH ist Xylit als Substratkomponente interessant, da die gewünschten Werte ähnlich wie bei Torf durch Kalkung und Düngung exakt eingestellt werden können. Im Gegensatz zu anderen Substratkomponenten auf Holzbasis (z.B. Holzfaser) verursacht Xylit keine Stickstoffimmobilisierung. Zudem ist das Material strukturstabil und verbessert die Luftführung im Substrat. Die Wasserkapazität ist geringer als bei Torf. Die wichtigsten chemischen Eigenschaften sind in Tabelle 1 beschrieben.

 


Verwendungsmöglichkeiten
Wie bereits angedeutet eignet sich Xylit sehr gut als Torfersatzstoff. Es kann zum einen in Aufwandmengen bis ca. 50 Vol.-% Torf beigemischt werden oder auch in Mischung mit anderen Torfersatzstoffen (z.B. Cocopeat, Rindenhumus u.a.) als Basis für gänzlich torffreie Substrate dienen. Der Vorteil dabei ist, dass das Material auf Grund seiner torfähnlichen Eigenschaften keine  besonderen Kulturmaßnahmen erforderlich macht.

Abb.3: Pflanzenentwicklung in KW 41; torffreies Substrat mit 35 Vol.-% Xylit oben, Torf-Tonsubstrat unten

An der Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan wurden in den letzten Jahren verschiedene Versuche mit Xylit durchgeführt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf torfreduzierten beziehungsweise torffreien Substraten.

Ein Balkonkastenversuch im Jahr 2006 zeigte, dass torffreie- sowie torfreduzierte Substrate mit Xyilt als Hauptbestandteil bei gleicher Behandlung einem handelsüblichen Torf-Ton-Substrat ebenbürtig sind.
Abbildung 3 zeigt zum Vergleich die Pflanzen in einem torffreien Substrat mit 35 Vol.-% Xylit (oben) und einem Torf-Ton-Substrat (unten) zu Versuchsende in KW 41.

In einem weiteren Versuch zur Pufferkapazität konnten durch einen Zuschlag von 20 Vol.-% Xylit Schäden durch überhöhte NaCl-Gaben im Vergleich zum reinen Torfsubstrat deutlich verringert werden.

Dipl.-Ing. (FH) Dieter Lohr;
Institut für Gartenbau