LoginKontaktImpressum

Infodienst Weihenstephan

Ausgabe Januar 2007


Pflanzenschutzprobleme: Hilfen zur Diagnose

Abbildung 1: Schadbild auf der Blattoberseite

Teerfleckenkrankheit an Weide
Symptomatisch vergleichbar mit der Teerfleckenkrankheit am Ahorn zeigt sich die Teerfleckenkrankheit an Weide (Rhytisma salicinum) mit den namensgebenden, meist 1-2 cm großen schwarzen Flecken (mit einem oft deutlichen rot-gelben Rand) auf der Blattoberseite von Weidenarten. Als frühes Schadbild zeigen sich hier gelbgrüne bis gelbe Flecken auf den Blättern. Die Flecken treten über das Blatt verteilt auf, zwischen den Blattadern, aber auch über sie hinweg. Befallen werden verschiedene Salix-Arten.

Die schwarzen Flecken stellen keine Fruchtkörper im eigentlichen Sinne dar, sondern dichte Pilzgeflechte, die als Stroma zu bezeichnen sind. Der eigentliche Fruchtkörper (Apothecium), der auch die Basis für Neuinfektionen ist, wird allerdings erst im Frühjahr des darauf folgenden Jahres auf den am Boden liegenden Blättern gebildet. Im Frühjahr werden unter günstigen Bedingungen (= Wechsel von feuchten und trockenen Zeiten) die reifen Ascosporen ausgeschleudert, gelangen so auf junge Blätter, die sie dann frisch infizieren. Im Laufe des Sommers wird offenbar eine zusätzliche Nebenfruchtform ausgebildet (Melasmia salicina), die zylindrische Konidien produziert. Die Teerfleckenkrankheit an Weide ist insbesondere im skandinavischen Raum weit verbreitet, nimmt jedoch in Vorkommen und Ausbreitung mit der Höhe deutlich ab.

 

Abb. 2: Glänzend-schwarze Larve mit Schabefraß (Durchlicht)

Kirschblattwespe
Entsprechend ihrem Namen tritt die Kirschblattwespe (Caliroa cerasi) insbesondere an Kirschen im Obstbau schädigend auf, daneben aber auch an vielen weiteren Rosaceen (und vermutlich auch anderen Pflanzen), die im Öffentlichen Grün von Bedeutung sind, wie beispielsweise Felsenbirne, Eberesche oder Weißdorn. Je nach Witterung werden zwei bis teilweise auch drei Generationen ausgebildet, wobei der Schlupf der ersten Generation (deren Larven im Boden überwintern und sich im Frühjahr verpuppen) etwa im Mai/Juni erfolgt.

Die schwarzen, etwa 5 mm großen Blattwespen legen ihre Eier in kleine Eitaschen ab, die sie auf der Blattunterseite mit kleinen Schlitzen (Legestachel vom Weibchen) hergestellt haben. Die Vermehrung erfolgt in der Regel parthenogenetisch und damit ohne Männchen. Etwa zwei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die jungen Larven, die anfangs noch weiß, später deutlich gelb gefärbt sind und von einem auffälligen, schwarz-glänzenden Schleim umgeben sind. Der Körper der Larven (sie werden etwa 1 cm lang) ist deutlich keulenförmig und verjüngt sich zum Ende hin. Die drei Brustbeinpaare sowie die sieben Bauchbeinpaare sind recht unscheinbar und am besten bei einer seitlichen Betrachtung der Tiere erkennbar. Die Larven sind wenig agil und fressen die Blätter von der Blattoberseite ab (Fensterfraß), sodass nur die Blattadern sowie die unteren Blattschichten stehenbleiben, die dann in der Summe auch rasch verbräunen. Nach der Verpuppung der Larven im Boden (Juli) schlüpft etwa im Juli/August die zweite Generation, deren Fraßschäden stärker zu bewerten sind als die der ersten

(... besuchen Sie auch unsere Diagnose-Datenbank zum Pflanzenschutz im Gartenbau)


Nach oben

Neue Buchbesprechungen zum Pflanzenschutz

Bibliographische Angaben:
Blümel, S., P. Fischer-Colbrie, E. Höbaus: Nützlinge - Umweltgerechter Pflanzenschutz. Österreichischer Agrarverlag, Wien, 2006, ISBN: 3-7040-2182-2, Preis: 29,90 Euro, Format: 17x24 cm

Inhalt:
Nach einer Einleitung zum Thema Nützlinge (10 Seiten) und einer Kurzübersicht zu Nützlingen und Schädlingen werden auf rund 55 Seiten die einzelnen Nützlinge näher vorgestellt. Dem folgen zwei getrennte Kapitel über die Einsatzmöglichkeiten von Nützlingen in Freilandkulturen und Hausgärten (16 Seiten) sowie in Gewächshäusern, Wintergärten und Innenräumen (19 Seiten). Das 128 Seiten umfassende Buch ist mit rund 150 farbigen Aufnahmen reichhaltig illustriert. Ein umfangreiches Register rundet das Buch ab.

Empfehlung:

Wer noch kein Buch über Nützlinge besitzt, findet hier sicher ein gutes Werk für den Einstieg.

 (... besuchen Sie auch unsere Übersicht der Pflanzenschutz-Buchbesprechungen)

 

Nach oben

Dipl.-Ing. agr. Thomas Lohrer
Institut für Gartenbau