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Grüneinsaat in Baumschulen

Wasserversorgungsunternehmen und die Öffentlichkeit stellen immer wieder die Forderung auf, alle landwirtschaftlich / gartenbaulich genutzten Flächen möglichst ganzjährig zu begrünen, um den Stickstoffaustrag zu minimieren. Auch in Baumschulen wurde die Forderung vor allem in Alleebaum- produzierenden Betrieben schon frühzeitig erfüllt und bei Reihenabständen um 2 Meter und mehr wurde konsequent eine Rasen- bzw. Gründüngungseinsaat mit z.B. Senf / Ölrettich / Phacelia ausgeführt.

 

Versuchsbeschreibung

 

Die Aufschulung der Apfelunterlagen M 9 erfolgte in den praxisüblichen Reihenabständen von 1,1 Metern auf den Flächen der FGW. In der Reihe wurde der Abstand von 0,4 Meter eingehalten. Auf dem schweren Lehmboden erfolgte sofort nach der Aufschulung in den "Gassen" eine Graseinsaat. Die üblichen Versuchsraster wie Anzahl der Wiederholungen und die Verteilung wurden dabei eingehalten. In den Kontrollparzellen wurden die "Gassen" mit einem Grubber bzw. einer Fräse an einem Einachsschlepper nach Bedarf offen gehalten.

In den ersten zwei Versuchsjahren wurde eine sehr langsam wachsende Grasmischung verwendet, die speziell für Alleebaumschulen entwickelt wurde und nicht allgemein im Handel erhältlich ist. Aufgrund der hohen Kosten wurde ab dem dritten Versuchsjahr eine allgemein erhältliche, kostengünstigere Sportrasenmischung eingesetzt. Pro Kulturjahr mussten 3 - 4 Mähdurchgänge mit einem speziellen Mulchmäher in den engen Gassen erfolgen.

Die in den ersten zwei Versuchen durchgeführte Maßnahme, den Bestand nicht zu bewässern, wurde ab dem dritten Versuch dahingehend geändert, dass nach allgemein üblicher Praxis und Notwendigkeit Kreisregner zum Einsatz kamen. Auflaufende Unkräuter in der Reihe wurden mit Herbiziden als schmale Bandspritzung bekämpft. In Einzelfällen musste von Hand mit der Hacke nachgearbeitet werden.

Mit der Sorte 'Jonagold' wurde die Veredelung der Unterlagen immer im August des 1. Kulturjahres durchgeführt. Das Abwerfen, Stäben, Heften und Anschneiden bzw. Formieren erfolgte zu praxisüblichen Terminen.

Die Düngung erfolgte im ersten Kulturjahr mit einer Gabe von 40 kg N/ha und ab dem zweiten Kulturjahr mit 60 kg N/ha in zwei Gaben. Handelsübliche Mehrnährstoffdünger fanden dabei Verwendung.

 

Ergebnisse

 

Bei den Parzellen mit Graseinsaat zeigte sich in allen Jahren ein bis zu 30 % geringeres Wachstum - vor allem in den nicht bewässerten Versuchsjahren. Erkennbar war dies vor allem an den einjährigen Ruten, da diese nicht in der üblichen Höhe (60 cm plus 5 Augen) angeschnitten werden konnten. Die ausreichende Stärke (mindestens bleistiftstark) fehlte hier. Auch die Seitenverzweigung in der Anzahl und vor allem die Triebstärken waren bei den Parzellen mit Raseneinsaat im dritten Kulturjahr und zur Rodung hin wesentlich schwächer.

Die normal bearbeitete Fläche (Boden offen gehalten) brachte die übliche Ausbeute an verkaufsfähigem Material. Nachdem heute zweijährige Veredelungen für den Erwerbsanbau gezielt nach der Anzahl der Seitentriebe geordert werden und bei der Ware für den privaten Bereich die Stärke und Anzahl der Triebe des Gehölzes sehr wichtig sind, kann die schwächere Ware aus den Parzellen mit Graseinsaat nicht akzeptiert werden. Die Qualitätsanpassung wäre hier nur durch eine noch intensivere Bewässerung und die Erhöhung der Düngergaben um mindestens 30 % möglich. Diese Faktoren sind jedoch aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht erfüllbar. Auch muss derzeit das Mulchen noch immer mit handgeführten Geräten erfolgen.

 

Fazit

 

Eine Grüneinsaat wäre ökologisch sinnvoll, kann jedoch unter den derzeitigen Bedingungen - z.B. üblicher Reihenabstand in den deutschen Baumschulen, der notwendige Einsatz von Beregnungsanlagen und dem möglichen Maschineneinsatz - nicht empfohlen werden. 

Dipl.-Ing. (FH) Albrecht Sturm
Institut für Gartenbau