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Semiotik der Bäume

Die Linde - ein Zeichen für Gastfreundschaft und ein Platz für die Gemeinschaft

 

 

Semiotik ist die Lehre der Verwendung von Symbolen und Zeichen in einer Kultur. Bäume sind ein wichtiger Bestandteil unserer Umwelt und das aus vielen Gründen.. Bäume erfüllen von Natur aus zwei Aufgaben, zum einen sind sie wichtige Bindeglieder im Gefüge der Naturkreisläufe, denn sie regulieren das Klima, schaffen Nährboden für sich selbst und ernähren andere Lebewesen. Zum anderen eine weitere wichtige Aufgabe, die allen Lebewesen zugrunde liegt ist die Selbstbehauptung und Vermehrung.

Neben dem Zierwert von Blüte, Rinde, Textur und Herbstfärbung, aber auch Darstellung in Kunst und Dichtung als ästhetische Aufgabe ist für den Menschen auch der Nutzwert als Nahrung, Rohstoff oder zur Heilung von großer Bedeutung. In der Wissenschaft dient die Pflanze als Objekt der Erkenntnis in der Züchtung, Genforschung etc.. Die Funktion, um die es sich in diesem Artikel handelt ist die symbolische Aufgabe, in der Pflanzen als Zeichen, unterschiedliche kulturelle Phänomene darstellen.
Schon im alten Griechenland verstand man das Schenken einer Rose als Zeichen für Liebe und Zuneigung. Linden wurden hier zu Lande als Bäume der Geselligkeit und Öffentlichkeit angesehen, wodurch darunter Hochzeiten, Dorffeste, Versammlungen und Gericht gehalten wurden. Einhergehend mit der Verwissenschaftlichung der Weltanschauung und der Industrialisierung ist dem Menschen das Bewusstsein um die symbolische Bedeutung der Pflanzen (bis auf die Rose und diverse Friedhofspflanzen) verschwunden. Mit dem Verlust der symbolischen Bedeutung gingen somit auch ideelle Werte verloren. Wen wundert es heutzutage schon, wenn jemand für ein Automobil 50.000,- € ausgibt, aber eine Gartengestaltung seines Hausgartens für ein fünftel dieser Summe als zu teuer und nicht lohnend bezeichnet? Es verwundert nicht, denn wer keine Bedeutung oder Hintergründe kennt, kann auch den Wert einer Sache nicht abschätzen. Das Wissen um die Symbolik der Pflanzen könnte den Menschen einen neuen Zugang zum eigenen Garten, der öffentlichen Freifläche, sowie zu der Landschaft bieten und so zu einem neuen Verständnis des Grüns führen.

Oft werden Gefühle und Erinnerungen mit Pflanzen verbunden, so erinnert man sich an den Baum unter dem das erste Rendezvous stattfand und ein Herz mit Initialen hineingeschnitzt wurde. Aber nicht nur individuelle Erinnerungen, sondern auch allgemeinere Eigenschaften und Lebenseinstellungen können durch Bäume bzw. Pflanzen vermittelt werden.

Weidenkätzchen als Boten des Frühlings

Es ist sogar denkbar ganze Pflanzplanungen unter symbolischen Aspekten wie z. B. Leichtigkeit-Freude oder Stabilität-Erfolg zu verwirklichen, natürlich immer unter Berücksichtigung der Standortanforderungen der Pflanzen. Dies wäre eine neue "alte" Form der Pflanzenverwendung. Das schwierige, anspruchsvolle aber auch zum Teil verwirrende an der semiotischen Bedeutung der Pflanzen ist die Verbindung verschiedener Gebiete wie Naturwissenschaften, Religion, Ethnologie, Kulturgeschichte und Kunst zu einem Gesamten.

Da sehr vielen Pflanzen symbolische Bedeutungen zugeordnet sind und es zu jeder dieser Pflanzen noch eine Fülle von Geschichten, eine Liste von Volksnamen, Attribute von Gottheiten und Redewendungen gibt, werden hier nur die Symbole einer Auswahl von Bäumen bzw. Gehölzen aufgeführt.

Symbolsprache (Semantik) der Bäume und Gehölze

Apfelbaum     Malus sp.                   Rosaceae

Liebe, Verfühurng, Fruchtbarkeit, weibliche Schönheit, Vollkommenheit, Wort (Duft), Weltherrschaft (Reichsapfel), Überwindung des Todes, Rettung durch Christus.

Birke               Betula sp.                  Betulaceae

Leben, junge Weiblichkeit, Schönheit, Glücklichsein, Frühling, Beginn, Licht, Widerstandskraft, Schutz vor Hexen, Tapferkeit gegen Kälte.

Birnbaum       Pyrus sp.                   Rosaceae

Schutz, Zuneigung, Erotik, Wohlgefühl, Lebensbaum, Frucht für´s Herz, Blüte für´s Gefühl, Baum des langen Lebens, aber auch Trauer und Trennung.

Eberesche     Sorbus aucuparia     Rosaceae

Fruchtbarkeit, Kindersegen, Gesundheit und Freude, Zähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Kraftübertragung, Schönheit, Schutz vor Bösem Zauber.

Efeu                Hedera helix             Araliaceae

Rausch, Freundschaft, Eheliche Treue, weibliche Anlehnung, Abhängigkeit, Tod im Leben und Unsterblichkeit der Seele, Ruhm

Eibe                Taxus baccata          Taxaceae

Wehrhaftigkeit, Tod im Leben und Unsterblichkeit der Seele, Zauber und Schutz vor Zauber, Unterbewusstsein, Widerstandsfähigkeit.

Eiche              Quercus sp.               Fagaceae

Sieg, Ruhm, Kraft, Stolz, Königstreue, Heldentum, Männlichkeit, Dauerhaftigkeit, Unsterblichkeit, Fruchtbarkeit, konservatives Denken.

Erle                 Alnus glutinosa         Betulaceae

Das Unheimliche, Feuer, Wasser, Erde, die Weiblichkeit

Esche              Fraxinus excelsior   Oleaceae

Weltenbaum, Gesamtheit des Menschenlebens, der erste Mann, kraftvolle Festigkeit, Waffe der Lebenskraft, Rettung, eheliche Freuden.

Fichte              Picea abies               Pinaceae

Weihnachten, neugeborene Sonne, Innere Kraft, Leben und Hoffnung, Immerwährende Zeugungskraft der Erde, Tod.

Haselnuss       Corylus avellana      Betulaceae

Lebens- und Liebesfruchtbarkeit, Unsterblichkeit der Seele, Frühling, glücklicher Beginn, Wunscherfüllung, Glück, Schutz vor Verhexung Blitz und Schlangen, Schönheit (Blüten), Weisheit (Frucht).

Holunder         Sambucus sp.          Caprifoliaceae

Schutz für Haus und Familie, Wohnsitz der guten Hausgeister, Frau Holle, Tod und Jenseits, Hexen und Teufel (Christentum)

Kiefer              Pinus sp.                   Pinaceae

Lebenskraft, Ausdauer, Bewältigung, schwieriges Leben, Anpassungsfähigkeit, Treue und Mut, langes Leben, lange und glückliche Ehe, Freundschaft.

Kirsche            Prunus sp.                Rosaceae

Heitere Erotik, weibliche Schönheit, geistige Schönheit, Segen des Paradieses, verlorene Jungfräulichkeit, Betrug, Idealer Tod.

Linde               Tilia sp.                      Tiliaceae

Eheliche Liebe, Zärtlichkeit, Sehnsucht, Verlöbnis, Güte, Gastfreundschaft, Platz der Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Hilfe für den Schwachen, Heimat.

Mistel               Viscum album            Loranthaceae

Wintersonnenwende, Vegetationssegen, Fruchtbarkeit und Wachstum, Glücksbringer, Unterweltsöffner.

Pappel             Populus sp.                Salicaceae

Totenklage, Furcht, Schmerzen, Ehe, Arroganz.

Pflaume           Prunus sp.                 Rosaceae

Treue, Verläßlichkeit, Demut und Geduld, Frühling, Erleuchtung, Glück im eigenen Haus, Langes Leben.

Rose                Rosa sp.                     Rosaceae

Vollkommenheit, Schönheit, göttliche und irdische Liebe, Vergänglichkeit, Tod, Geheimnis, ewige Weisheit, Jungfrauen, Frauen, Prostitution, Vulva, Blut, Lebensfreude, Anmut, Laster, Vergebung durch Christus.

Stechpalme    Ilex sp.                        Aquifoliaceae

Glück, Schutz vor allem Bösen, weise Fürsorge, ewiges Leben, Weihnachten, Saturnalien und Fastnacht, Kampfesmut.

Wacholder     Juniperus sp.              Cupressaceae

Physische Stärke, Lebensbaum, Fruchtbarkeit, ewiges Leben, heiliger Baum, Zufluchtsort, Hilfe, Abtreibung.

Walnuss         Juglans regia              Juglandaceae

Die Frau, Vulva, Fruchtbarkeit, Hochzeit, Kindersegen, Sinneslust, Gehirn, Dreieinigkeit, Schutz.

Weide             Salix sp.                       Salicaceae

Frühling, Gefahr, Tod, Keuschheit, Ausdauer, Wasser, Regenzauber, moralische Schwäche, Konkubinen.

Lit: Marianne Beuchert "Symbolik der Pflanzen"

Damir Ivanovic
Institut für Landschaftsarchitektur