Versuchsbericht 1Jungpflanzenanzucht von kopfveredelten Gurken |
Einleitung Die Veredelung von Schlangengurken auf verschiedene Unterlagen ist eine sinnvolle Maßnahme des vorbeugenden Pflanzenschutzes. Während bei der aufwändigeren Gegenzungenveredelung gute Anwachserfolge erzielt werden, bereitet die Kopfveredelung in der Praxis oft noch Probleme in Bezug auf Anwachsraten und Qualität der Jungpflanzen. Um jedoch die Gurkenanzucht weitgehend mechanisieren zu können, ist eine sichere Methode für die Kopfveredelung dringend erwünscht. Eine Schwierigkeit liegt darin, die Aussaattermine von Sorte und Unterlage so abzustimmen, dass zum Veredelungstermin Pflanzen mit einheitlichem Sprossdurchmesser zur Verfügung stehen, um das Verwachsen zu erleichtern und stabile Jungpflanzen zu erhalten. In einem Versuch im Schwerpunkt Gemüsebau im 7. Semester wurden deshalb vier verschiedene Unterlagen und eine Gurkensorte zu 4 Terminen ausgesät und der Anwachserfolg bewertet. Untersucht wurden folgende Unterlagen:
- Haargurke ’Harry‘, (S&G) empfohlen bei Problemen mit Nematoden (Meloidogyne incognita) und Fusarium, tolerant gegen niedere Bodentemperaturen
- Cucurbita ficifolia ’Triumpf’, (Hild) empfohlen bei Problemen mit Fusarium, tolerant gegen niedere Bodentemperaturen
- Cucurbita maxima ’RZ 64-01‘ F1 (RZ) resistent gegen Fusarium, Verticillium, Pythium, tolerant bei Phomopsis und Nematoden
- Cucurbita maxima ’TZ 148‘, (Tezier) resistent gegen Fusarium, Verticillium, Pytium, empfohlen bei niederen Bodentemperaturen
Als Gurkensorte wurde ’Sudica F1’ (dRS) gewählt.
Versuchsdurchführung Die Gurkensorte wurde vom 4.11. bis zum 7.11.02 täglich gesät. Bei einem Versuch im letzten Jahr (IDW 2002/8) war die Haargurke aufgrund von Züchterempfehlungen zum ersten Gurkentermin gesät worden, was sich aufgrund der schnelleren Entwicklung der Haargurke als zu früh erwiesen hatte. Um dem Rechnung zu tragen, wurde in diesem Jahr die Haargurke erst zum dritten Gurkentermin am 6.11.02 - nach zweitägigem Vorquellen der Samen bei 4 °C - gesät. Aufgrund der schnelleren Entwicklung wurden die Kürbisse nach dem Gurkensäterminen am 8.11. gesät. Die Keimung erfolgte bei 24 °C im Klimaschrank. Die Veredelung fand am 13.11.02 im Keimblattstadium statt. Dazu wurden die Unterlagen ca. 2 cm über dem Wurzelansatz, die Gurken etwa 2 cm unter den Keimblättern vollständig durchtrennt. Silikonclips mit 1,5 und 2 mm Durchmesser dienten als Veredlungshilfe. Danach wurde an zwei verschiedenen Orten aufgestellt: im Klimaschrank bei 24 °C und im Gewächshaus in einem auf Anzuchttischen eingerichteten Folientunnel bei ca. 20 °C. In beiden wurde die Luftfeuchte durch häufiges Besprühen auf 99 % gehalten, nach dem 20.11. wurde die Luftfeuchte reduziert. Das Versuchsende mit Bonitur erfolgte etwa 4 Wochen nach Aussaat am 6.12.02. Dabei wurde Pflanzenlänge, Pflanzenfrischgewicht, Anwachserfolg, Stabilität der Verwachsung und Durchmesser an der Veredelungsstelle bewertet. Eine Weiterkultur der Veredlungen war nicht vorgesehen.
ERGEBNISSE Anwachsrate Insgesamt fiel die Anwachsrate schlecht aus. Während Standort und Aussaattermine keinen signifikanten Einfluss hatten, zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Unterlagen. Im Mittel über Standort und Aussaattermin schnitt ‘Harry’ mit 37,5% angewachsener Veredelungen am schlechtesten ab. ‘Triumpf’ kam auf 49%, ‘RZ 64-01‘ auf 55%. Gut war dagegen die Verwachsung bei ‘TZ 148‘, sie lag bei 83%, und damit signifikant am höchsten (siehe Abb.1).

Abb.1: Anwachsraten verschiedener Unterlagen bei Kopfveredelung von Gurke ‘Sudica’ 4 Wochen nach Veredelung
Qualität Bei den verwachsenen Jungpflanzen zeigten sich deutliche Qualitätsunterschiede. Bei ‘Harry’ und ‘Triumpf’ war ein hoher Anteil von 16 bzw. 27 % (der insgesamt veredelten Pflanzen) so instabil verwachsen, dass die Veredelungsstelle bei geringer Belastung brach. Bei beiden C. maxima -Sorten war die Veredelung deutlich stabiler (nur 1 bzw. 2 % instabil), wenn auch teilweise bei ’RZ64-01‘ nur ein Teil der Schnittfläche verwachsen war. Auffällig bei ’TZ 148‘ war die „Lochbildung“ an der Veredelungsstelle (siehe Abb. 2). 
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| | | Abb.2a,b,c,d: Veredelstellen verschiedener Unterlagen in Kombination mit der Gurke ‘Sudica’ 4 Wochen nach Veredelung | Länge und Gewicht Auf die Pflanzenlänge wirkten sich weder Standort noch Aussaattermin aus, die Pflanzen auf ‘Harry‘ waren mit 8,9 cm kürzer als die auf ‘Triumpf’ und ‘TZ 148‘ (10,9 cm bzw. 11,2 cm). Zugleich waren die Pflanzen auf ‘Harry’ signifikant am schwersten, was auf ein eher kompaktes Wuchsverhalten hinweist. Das Pflanzengewicht aller Unterlagen entsprach der Reihenfolge der Aussaattermine: die zuerst gesäten Pflanzen waren am schwersten. Die Klimaschrank-Pflanzen waren mit 2,31 g signifikant schwerer als die Folientunnel-Pflanzen mit 2,14 g, was auf den Vorteil einer höheren Temperaturführung schließen lässt.
Durchmesserverhältnisse In Zusammenhang mit der Anwachsqualität sind die Durchmesserverhältnisse des Unterlagenstängels zum Sortenstängel zu sehen. Mit einem im Vergleich zur Gurke deutlich dünneren Stängel ergab sich bei ‘Harry’ mit 0,7 das ungünstigste Verhältnis. Auch bei ‘RZ 64-01’ waren die Stängel geringfügig dünner als bei den Gurken, während sowohl bei ‘Triumpf’ als auch bei ‘TZ 148’ die Stängel je nach Standort etwa gleichdick bzw. deutlich dicker waren (siehe Abb. 3).

Abb.3: Stängel-Durchmesserverhältnisse verschiedener Unterlagen bei Kopfveredelung von Gurke ‘Sudica’ 4 Wochen nach Veredelung
Diskussion und Zusammenfassung Insgesamt war das Anwachsergebnis schlecht, vermutlich verursacht durch folgende Faktoren: Die Temperatur war mit 22 bzw. 24 °C vermutlich zu niedrig, günstiger wären eventuell 28 °C, wie bessere Vorversuchs-Ergebnisse bei 28 °C im Klimaschrank zeigten. Durch das häufige Besprühen war das Substrat sehr feucht und führte zu hohem Wurzeldruck, der die Köpfe von den Unterlagen schob und dadurch ein Zusammenwachsen verhinderte. Die Durchmesserunterschiede waren z.T. beachtlich. Mit Stäben wäre eine höhere Stabilität und damit eventuell ein besseres Verwachsen möglich gewesen. Auch sonst hingen Anwachsrate und Qualität der Jungpflanzen hauptsächlich von der Unterlage ab. Aussaattermine und Standort zeigten keinen signifikanten Einfluss. Insgesamt schnitt ’TZ 148‘ unter den gewählten Wachstumsbedingungen am besten ab. Sollten sich die guten Erfahrungen in der Praxis bestätigen, wäre die Wahl dieser Unterlage zu empfehlen, der höhere Preis für das Saatgut könnte durch den geringen Ausschuss kompensiert werden. Ariane Herrmann, Hanne Bloos-Walzer und Heike Pisching, 7. Semester GB Katrin Kell, Thomas Jaksch und Volker Henning, Institut für Gartenbau Fotos: Torsten Hoffmann, FB Gartenbau und Lebensmitteltechnologie |
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